HIV und Psychotherapie : Probesitzungen in der Anfangsphase

Allen Psychotherapien ist eines gemeinsam: Die ersten Gespräche dienen dem gegenseitigen Kennenlernen. Sind sich Patient und Therapeut sympathisch? Stimmt die Chemie? Kann man sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen? Das sind nur einige der Fragen, die in den sogenannten „probatorischen Sitzungen“, Probesitzungen oder Vorgesprächen geklärt werden sollen.

HIV und Psychotherapie: Probesitzungen in der Anfangsphase
Artikel teilen

In den ersten Gesprächen wird der Therapeut dich bitten, ihm etwas über dein Anliegen, deine Schwierigkeiten und vielleicht auch deine Vorgeschichte zu erzählen. Möglicherweise wird er sich anfangs sehr zurückhalten, damit du dein Anliegen ungehindert darstellen kannst. So lernt er dich besser kennen. Wie aktiv der Therapeut in den Vorgesprächen ist, hängt außer von seinem persönlichen Arbeitsstil auch vom Therapieverfahren ab. Vorschnelle Ratschläge solltest du lieber nicht erwarten.

Im Laufe der Vorgespräche (je nach Therapieform maximal fünf bis acht) sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Stimmt die Chemie zwischen euch? Kommt ihr miteinander klar? Hast du ein gutes Bauchgefühl im Kontakt mit dem Therapeuten?
  • Haltet ihr beide dein Anliegen für therapiebedürftig und durch Psychotherapie behandelbar?
  • Was sollen die Ziele der geplanten Therapie sein?
  • Welches Therapieverfahren empfiehlt der Therapeut unter Berücksichtigung dieser Ziele? Mit welcher voraussichtlichen Therapiedauer ist zu rechnen? Und mit wie viel Stunden pro Woche?
  • Kannst du dir vorstellen, dich darauf einzulassen?
  • Kann der Therapeut dir einen Therapieplatz, also feste Termine anbieten (vielleicht nach einer Wartezeit )? Hast du die Möglichkeit und bist du bereit, diese Termine regelmäßig wahrzunehmen?
  • Wer übernimmt die Kosten für die geplante Therapie?

Selbstverständlich solltest du die Möglichkeit haben, in den Vorgesprächen auch alle anderen Fragen anzusprechen, die dich im Zusammenhang mit der geplanten Behandlung beschäftigen. Ein guter Therapeut wird deine Fragen ernst nehmen und darauf eingehen.

Die Antragstellung

Sobald ihr euch geeinigt habt, gemeinsam eine Psychotherapie durchzuführen, folgt der nächste Schritt. Denn Psychotherapie ist eine sogenannte „antrags- und genehmigungspflichtige Leistung“. Das bedeutet: Wenn die Psychotherapie von der Krankenkasse finanziert werden soll, muss während oder nach den probatorischen Sitzungen ein entsprechender Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt werden. Das gilt bei allen gesetzlichen und den meisten privaten Krankenkassen ebenso wie bei der Beihilfe. Erst wenn dieser Antrag von der Krankenkasse schriftlich genehmigt wurde, ist die Kostenübernahme durch die Kasse gewährleistet. Die Antragstellung übernimmt übrigens der Therapeut.

Autor: Dr. Steffen Heger

Artikel bewerten

Diese Information war für mich hilfreich?

1 Votes with an average with 1
Zurück

Weitere Themen:

Seele+

> > HIV und Psychotherapie: Probesitzungen in der Anfangsphase