Homosexualität ist keine Krankheit

Das Wichtigste vorweg: Homosexualität , schwul und lesbisch sein, gilt seit vielen Jahren nicht mehr als Krankheit. Therapien, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung zielen, werden als unethisch abgelehnt. Warum ist das für dich wichtig, wenn du eine Psychotherapie planst?

Homosexualität ist keine Krankheit
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Tatsächlich wurde Homosexualität in der Psychiatrie über lange Zeit hinweg als seelische Störung betrachtet. Nach einem langen Diskussionsprozess änderte sich das ab 1973. Damals wurde Homosexualität aus dem Diagnosekatalog (DSM ) der American Psychiatric Association gestrichen. Sogar die konservative American Psychoanalytic Association, also die Vereinigung der Psychoanalytiker, zog 1991 nach und lehnte in einer Erklärung jede Diskriminierung von Schwulen und Lesben offiziell ab. Eine entsprechende Änderung nahm auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1992 an ihrem Diagnosekatalog (ICD ) vor.

Homosexualität gilt in Medizin und Psychiatrie/Psychotherapie weltweit nicht mehr als Krankheit.

Konsequenterweise werden auch Behandlungen abgelehnt, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung zielen: Solche „Konversionstherapien“ gelten heute als unethisch. Diese Auffassung vertritt der Deutsche Ärztetag 2014 in einer Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Homosexualität stellt keine Erkrankung dar, sondern ist eine Variante der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Der Ärztetag verurteilt jegliche Stigmatisierung, Pathologisierung oder Benachteiligung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung. (...) Sogenannte Konversions- bzw. reparative Verfahren, die behaupten, Homosexualität in asexuelles oder heterosexuelles Verhalten umwandeln zu können, und den Eindruck vermitteln, dass Homosexualität eine Erkrankung sei, sind abzulehnen. Diese sind nicht nur unwirksam, sie können sich sogar negativ auf die Gesundheit auswirken.“

Aber nicht nur medizinische Fachgesellschaften lehnen solche Behandlungen heute einheitlich ab. In manchen Bundesstaaten der USA und in einigen anderen Ländern sind Konversionstherapien bereits gesetzlich verboten. Nachdem das Europäische Parlament im Jahr 2018 entsprechende Gesetze zum Verbot derartiger „Behandlungen“ empfohlen hat, ist in Deutschland ein entsprechender Gesetzentwurf in Arbeit (Stand Oktober 2019).

Außerdem wird anerkannt, dass Diskriminierung und Stigmatisierung von Homosexualität krankmachen können. In diesen Fällen kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Tatsächlich teilen heute die meisten Psychiater und Psychotherapeuten diese Auffassung, dass Homosexualität keine Krankheit ist, sondern eine Normvariante. Dennoch gibt es vereinzelt, vor allem in bestimmten religiösen Kreisen, auch heute noch „Therapeuten“, die Homosexualität weiterhin als Krankheit ansehen und ihren Patienten eine Konversionstherapie („Umpolung“ von homo- zu heterosexuell oder asexuell ) anbieten. Um es ganz klar zu sagen: Solche Therapieversuche sind unethisch und für die Patienten schädlich, weil hier in der Behandlung etwas wiederholt wird, was viele Homosexuelle erst krankgemacht hat: Die Verinnerlichung von Homonegativität , Stigmatisierung und Diskriminierung , die in Depressionen und Selbsthass bis hin zu einer erhöhten Suizidgefährdung münden kann.

Spätestens jetzt wirst du dir die Frage stellen, wie dein Therapeut zum Thema Homosexualität eingestellt ist. Das ist gut so. Und noch besser ist, wenn du mit ihm darüber sprichst. Gehe als schwuler Mann oder als lesbische Frau nicht zu einem homophoben Therapeuten.

Film-Empfehlung

„Der verlorene Sohn“ (Original: Boy Erased) mit Nicole Kidman, Lucas Hedges und Russell Crowe, 2018 (deutsch 2019)

Buch-Empfehlung

Johannes Kram, Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber… Die schrecklich nette Homophobie in der Mitte der Gesellschaft, Querverlag, Berlin, 2018

Autor: Dr. Steffen Heger

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