Safer Sex ohne Kondom? Wie du dich heute wirksam vor HIV schützen kannst

Bis vor wenigen Jahren war „Safer Sex“ gleichbedeutend mit der Benutzung von Kondomen. Fortschritte in der Erforschung und Behandlung der HIV -Infektion ermöglichen dir heute die Wahl zwischen verschiedenen Methoden. Welche das sind und welche Vor- und Nachteile sie haben, erfährst du hier.

Safer Sex-Methoden zum Schutz vor HIV
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Was ist „Safer Sex“?

Unter „Safer Sex“ versteht man Sex, der (im Vergleich zu „ungeschütztem Sex“) mit einem deutlich geringeren Risiko einer Infektion mit HIV verbunden ist. Bis vor kurzem stand im Wesentlichen nur eine Möglichkeit zur Verfügung: Den Kontakt infektiöser Körperflüssigkeiten – wie z. B. Sperma – mit Schleimhäuten zu vermeiden. Beim Anal- oder Vaginalverkehr bedeutete dies den Gebrauch von Kondomen. Verkehr ohne Kondom, sogenanntes „Barebacking“, war „unsafe“.

Durch die Fortschritte in der Erforschung und Behandlung der HIV -Infektion stehen heute zwei weitere Methoden zur Verfügung, die mit einer mindestens vergleichbar hohen Sicherheit vor einer HIV -Infektion schützen wie der Gebrauch von Kondomen: Schutz durch Therapie (engl.: Treatment as Prevention, TasP) und die Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

Alle drei Methoden werden heute als „Safer Sex“ angesehen und zusammen als „Safer Sex 3.0“ bezeichnet. Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile der einzelnen Mathoden:

Schutz durch Therapie (TasP)

Wenn bei einer HIV -positiven Person die Viruslast aufgrund der antiretroviralen Therapie (ART) seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt, ist sie sicher nicht mehr ansteckend. Das konnte in großen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden.

Vorteile:

  • Die Sicherheit der Methode ist mindestens so hoch wie bei Kondomgebrauch (wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind).
  • Der Schutz besteht ständig, so dass auch spontaner Sex möglich ist (zuverlässige Medikamenteneinnahme vorausgesetzt).
  • Positive können unbeschwerten Sex haben in dem Bewusstsein, nicht mehr ansteckend zu sein.
  • Dass HIV -Positive unter diesen Voraussetzungen nicht mehr ansteckend sind, ist eine wesentliche Chance, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen.

Nachteile:

  • Optimaler Schutz setzt die zuverlässige Medikamenteneinnahme voraus.
  • Die ART bietet keinen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen, z. B. Hepatitis C oder Syphilis.
  • Als Negativer gibst du die Kontrolle über den Schutz ab: Wenn bei Gelegenheitskontakten dein Sexpartner behauptet, er sei „unter der Nachweisgrenze “, liegt die Entscheidung bei dir, ob du ihm vertrauen möchtest.

Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

Bei der PrEP nehmen HIV -negative Personen vorbeugend ein HIV -Medikament (mit den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovir, Handelsname z. B. Truvada® oder Generika) ein. Mehr Informationen über die PrEP findest du hier:

Vorteile:

  • Die PrEP schützt mindestens so zuverlässig vor einer Ansteckung mit HIV wie der Gebrauch von Kondomen. Sie wurde daher im August 2016 zugelassen. Seitdem darf sie vom Arzt an HIV -Negative als vorbeugende Maßnahme verschrieben werden. Es müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. (s. hierzu auch den Artikel „Kann Präexpositionsprophylaxe (PrEP) vor HIV schützen?“)
  • Der Schutz besteht ständig, so dass auch spontaner Sex möglich ist (regelmäßige Einnahme vorausgesetzt).
  • Während du die PrEP nimmst, wirst du etwa alle drei Monate ärztlich untersucht. Dazu gehört u.a. jedes Mal ein HIV -Test. Eine HIV -Infektion oder andere sexuell übertragbare Infektionen können also schnell erkannt und behandelt werden, was enorme gesundheitliche Vorteile für dich hat. (s. hierzu auch den Artikel „Late Presenter: Warum eine frühe HIV-Diagnose Leben rettet“)
  • Du behältst die Kontrolle: Wenn du als Negativer die PrEP einnimmst, bestimmst du selbst über deinen Schutz.

Nachteile:

  • Der optimale Schutz wird bei Männern erst nach fünftägiger, bei Frauen frühestens nach siebentägiger Einnahme aufgebaut und setzt die zuverlässige Medikamenteneinnahme voraus.
  • Wie jedes Medikament kann auch die PrEP Nebenwirkungen haben.
  • Ebenso wie beim „Schutz durch Therapie“ beschränkt sich die Schutzwirkung der PrEP auf die Ansteckung mit HIV . Die PrEP bietet keinen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
  • Die Kosten für die PrEP (Tabletten und ärztliche Beratung sowie begleitende Laboruntersuchungen) werden seit September 2019 unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Gebrauch von Kondomen

Ist Safer Sex durch den Gebrauch von Kondomen damit überholt? Keineswegs. Das Kondom ist noch immer eine bewährte Schutzmethode.

Vorteile:

  • Es ist preiswert und leicht verfügbar.
  • Es wird nur angewendet, wenn es auch etwas zu verhüten gibt.
  • Das Kondom schützt nicht nur vor HIV , sondern – mit etwas geringerer Sicherheit – auch vor einigen anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
  • Außerdem ist es frei von Nebenwirkungen – wenn man einmal von seltenen Latexallergien absieht.
  • Beim Gebrauch von Kondomen hast du selbst die Kontrolle über deinen Schutz.

Nachteile:

  • Es gibt Menschen, denen der Gebrauch von Kondomen allgemein oder zumindest in bestimmten Situationen (z. B. Chemsex ) schwerfällt. Sie sind möglicherweise miteiner PrEP deutlich besser geschützt.
  • Kondome sind nur dann sicher, wenn sie richtig angewendet werden. Anwendungsfehler und „Kondomunfälle“ wie z. B. unbemerktes Abrutschen oder Reißen beeinträchtigen die Sicherheit.
  • Auch bei Erektionsstörungen kann die Anwendung von Kondomen problematisch sein.

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