HIV Infektion geheim halten oder mitteilen

28.08.2016

Meine Diagnose haben ich im September letzten Jahres erhalten. Ich bin mit meinem Partner seit März letzten Jahres zusammen. Wir haben natürlich immer auf Verhütung geachtet und erst auf das Kondom verzichtet als alles ernster wurde. Im September habe ich ihn dann zum ersten Mal mit zur Blutspende genommen. Zwei Tage später bekam er einen Anruf vom Blutspendedienst. Wir sind da hingefahren und er bekam die Diagnose HIV, auch ich musste mich dann testen lassen und wurde ebenfalls positiv getestet. Für uns brach eine Welt zusammen. Wir begannen dann relativ schnell mit der Therapie und kommen nun gut mit der Situation klar. Wir sind verlobt und wohnen zusammen. Doch ich habe immer öfter den Wunsch, es meiner Familie und erzählen. Ein ständiges Geheimnis zu haben ist eine große Belastung für mich. Es half schon sehr es meiner besten Freundin zu erzählen. Doch mein Freund möchte es lieber für sich behalten. Er hat es niemanden erzählt, das respektiere ich auch, doch wenn ich es meiner Familie erzählen will, erfährt diese ja zwangsläufig auch von seiner Infektion, doch das möchte er ja nicht. Ich weiß nicht was ich machen soll, vielleicht könnt ihr mir ja helfen.



Antwort des Experten Dr. med. Steffen Heger

Sehr geehrter Fragender bzw. sehr geehrte Fragende,

Ihre Frage ist sehr nachvollziehbar und trotzdem schwer zu beantworten. Es geht zwischen Ihnen und Ihrem Partner um die Frage, ob es besser ist, andere Menschen über die eigene HIV-Infektion zu informieren oder diese lieber als Geheimnis für sich zu behalten. Während Sie bereits erste gute Erfahrungen damit gemacht haben, Freunde ins Vertrauen zu ziehen, hat sich Ihr Partner bisher entschieden, niemanden zu informieren.

Es gibt im Umgang damit auch keinen grundsätzlich richtigen oder grundsätzlich falschen Weg. Letztlich muss die individuelle Entscheidung respektiert werden, auch wenn aus meiner Sicht viele gute Gründe für ein Outing zumindest bei einzelnen Vertrauenspersonen sprechen. Sie haben ja selbst gute Erfahrungen damit gemacht.

Die Gründe, warum sich jemand für ein Verschweigen der Infektion entscheidet, sind unterschiedlich. Oftmals spielen Schamgefühle eine Rolle, die Angst vor Ausgrenzung oder die Furcht, nahe stehende Menschen zu belasten. Natürlich weiß ich nicht, was in Ihrem Partner vorgeht. Vielleicht wäre er bereit, sich von einer unabhängigen Person (z.B. bei einer Aidshilfe oder von einem Psychotherapeuten) in einigen Gesprächen in dieser Frage beraten zu lassen?

Ganz wichtig scheint mir in Ihrem Zusammenhang, dass verschiedene Menschen unterschiedlich viel Zeit brauchen und unterschiedliche Wege wählen, um die Infektion für sich zu verarbeiten. Was Sie von sich erzählen – Hut ab, da sind Sie tatsächlich sehr schnell! Vielleicht benötigt Ihr Partner aber einfach mehr Zeit als Sie und während Sie auf die Unterstützung Ihrer Freunde und Familie zurückgreifen, macht er die Dinge lieber zunächst mit sich allein aus? Können Sie ihm die Zeit lassen, die er braucht und ihn noch eine Weile seinen eigenen Weg gehen lassen? Mit ihm über das Thema reden ohne ihn zu etwas zu drängen?

Ich weiß, dass ich Ihnen kein Patentrezept bieten kann, weil es das leider nicht gibt. Dennoch hoffe ich, Ihnen mit meiner Antwort ein wenig weitergeholfen zu haben.

Nutzer
Nutzer
Hat Ihnen die Antwort weitergeholfen?