Frage: random95 - 2019-07-17 11:38

Schwerpunkt: HIV & Psyche
17.07.2019

Schönen guten Tag, meine Frage mag seltsam klingen, aber ist es möglich, sich durch die Lanzette von einem Heimtest, den ich bei einer Aids-Hilfe gemacht habe, mit HIV zu infizieren? Eigentlich sind die doch steril verpackt oder? Habe sie ja auch selbst ausgepackt aber mein Gehirn fährt gerade Karussell, weil ich auch jetzt (3 Wochen nach dem negativen Test) eine Aphthe bekommen habe und gelesen habe, dass Mundgeschwüre ein Symptom sein können. Außerdem schmerzt die Einstichstelle noch bei Druck durch beispielsweise den Fingernagel, aber vielleicht habe ich einfach ungeschickt gepiekst? Vielen Dank!

Dr. med. Steffen Heger
Antwort des Experten Dr. med. Steffen Heger
Sehr geehrte(r) Anfragende(r), es ist völlig ausgeschlossen, sich durch einen unbenutzten Einmalartikel (wie die Lanzetten in Heimtests) mit HIV zu infizieren. Bei Aphthen handelt es sich um durch bestimmte Herpes-Viren bedingte offene Stellen der Mundschleimhaut. Da etwa 90% der Bevölkerung dieses Herpes-Virus in sich tragen, kommen Aphthen sehr häufig vor. Das hat in den seltensten Fällen etwas mit einem HIV-bedingten Immundefekt zu tun. Letzterer würde eine fortgeschrittene HIV-Erkrankung voraussetzen, die ja bei Ihnen durch das negative Testergebnis ausgeschlossen werden kann. Der Schmerz an der Einstichstelle hat ganz sicher ebenfalls andere Ursachen. Nach meinem Eindruck sind Ihre Krankheitsbefürchtungen sehr ausgeprägt und führen zu einer verstärkten Beobachtung Ihres Körpers. Sobald Sie kleine Auffälligkeiten am Körper wahrnehmen, werden dadurch die Krankheitsängste verstärkt. So kommt eine Spirale aus Angst - verstärkter Selbstbeobachtung - noch mehr Angst usw. in Gang (sogenannte Angstspirale). Sollten diese Ängste, Sorgen und Befürchtungen weiter andauern, empfehle ich Ihnen die Kontaktaufnahme mit einem Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder einem Psychologischen Psychotherapeuten. Diese sind Spezialisten für Angsterkrankungen und können Ihnen hoffentlich beim Unterbrechen der oben beschriebenen Angstspirale behilflich sein. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben. Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Steffen Heger
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